Die Geschichte des Klosters


Hier wird ihnen nun ein kurzer Abriss der Klostergeschichte vorgestellt, wobei der Schwerpunkt in der Beschreibung der Kirche und ihren vielen Renovierungsphasen liegt:

Vom  Beginn,   der Geschichte der Klosterkirche, dem  Kreuzgang,

die Studiengeschichte, das Studienhaus, der Garten,

die  Bibliothek   und  das  Leben  der  Brüder,  gestern und heute ...

bis zum Kloster heute

 

Franziskanerkirche von Burggasse aus 

KircheSakristeiBonaventurakapelleRefektoriumKreuzgangBibliothekStudienhausFiegerhausWerkstattKegelbahnGarten

 

 

Der Beginn


Hl. Daniel, Patron der Bergknappen - Detail aus dem KreuzgangDas Franziskanerkloster in Schwaz wurde 1507 auf Betreiben der damaligen Bergwerksherren bzw. Bergknappen und der Bürger von Schwaz mit Erlaubnis des Kaisers Maximilian I. gegründet. Die Franziskaner waren schon seit 1471 regelmäßig zur Aushilfe nach Schwaz gekommen. (Schwaz war zu jener Zeit noch keine eigene Pfarre). Nachdem die Schwazer Bevölkerung und der Kaiser den Klosterbau in Angriff genommen hatten, gab es unerwartete Hindernisse: Am 15.07.1507 wurde der Klosterbau vom zuständigen Pfarrer von Vomp unter Androhung des Banns verboten (in Vertretung des Generalvikars von Brixen). Die Verantwortlichen hatten ganz einfach vergessen, die Kirche um Erlaubnis zu bitten. Sie hatten dies unterlassen, da Kaiser Maximilian versprochen hatte, sich selbst darum zu kümmern. (Die sogenannte Stiftungsurkunde Kaiser Maximilians erwähnt zwar ein päpstliches Schreiben, über dessen Vorhandensein ist aber nichts weiteres bekannt).

 

Vermutliches Aussehen des Fiegerhauses

Den Grund für Kirche und Kloster hatte Hans Fieger von Melans zu Friedberg (d.Ä.) von Andrä Stollbrock erworben und 1507 den Franziskanern geschenkt. Dazu überließ er ihnen auch sein eigenes angrenzendes Anwesen mit dem charakteristischen Wendeltreppenturm, heute noch "Fiegerhof" genannt (siehe Abb. links und rechts unten), welches samt Garten in den Klosterbau integriert wurde. Ein Teil des Fiegerhauses diente höchstwahrscheinlich als Mühle. Eine alte Leitung führte schon damals Wasser vom Lahnbach bis zum Haus.

Wappen des Hans Fieger

Das Wappen des Hans Fieger und jene seiner Brüder Siegmund und Christoph finden sich im Kreuzgang. Sie hatten dort die ersten drei Fresken gestiftet.

 

 

 

 

Am 30. August 1507 wurde die Schenkungsurkunde von Hans Fieger ausgestellt. Am selben Tag fand auch die Grundsteinlegung statt, wie auf der dargestellten Urkunde zu sehen ist.

Das Ordinariat von Brixen zog seinen Einspruch gegen den Klosterbau aber erst zurück, nachdem auch der Abt von St. Georgenberg seinen Einspruch zurückgezogen hatte und Kaiser Maximilian nochmals interveniert hatte.

Die offizielle kirchliche Zustimmung erfolgte einen Monat nach der Grundsteinlegung, am 26. September 1507, im Rahmen eines Festaktes unter der Leitung von Conradus, Abt von St. Georgenberg, Abt Leonhard von Wilten und dem zuständigen Pfarrer Peürl von Vomp. Als Gesandter Kaiser Maximilians wurden der am kaiserlichen Hofe weilende Franziskaner P. Johannes de Donis, resign. Bischof von Großwardein, nach Schwaz gesandt. Nach einem Hochamt in der Vomper Pfarrkirche zog man in einer Prozession nach Schwaz und Prior Baumgartner von St. Georgenberg verkündete, dass kirchlicherseits keine Einwände mehr bestünden und der Bau begonnen werden konnte. Der Franziskaner P. Christoph verblieb danach auf dem späteren Kirchenplatz und feierte mit seinen Mitbrüdern einen Dankgottesdienst.

 

Bereits am 23. November 1507 wurde der sich im Bau befindende Haupttrakt des Klosters eingeweiht. Der weitere Klosterbau nahm noch einige Jahre in Anspruch. Die vielen Stifter und Wohltäter, vor allem waren es die vermögenden Schwazer Gewerken, die den Klosterbau finanzierten, wurden durch die Darstellung ihrer Wappen an den Schlußsteinen des Kreuzrippengewölbes im Kreuzgang geehrt. Kaiser Maximilian wurde durch die Darstellung der Wappen seiner Länder geehrt.

Mit dem Bau der Klosterkirche begann man im April 1508.

Ein Jahr später, 1509, war die Bonaventurakapelle (s. Bild unten) fertiggestellt, in der nun alle Messfeiern stattfanden. Am 16. Oktober 1509 wurde sie zusammen mit dem Kreuzgang eingeweiht. Die Darstellung der 12 ApostelkreuzeBonaventurakapelle lassen darauf schließen, dass diese Kapelle kirchenrechtlich gesehen den Status einer Kirche innehatte. Über der Kapelle war der erste Gebetsraum. Dieser ist aber nicht mehr vorhanden, da in den späten 1950er Jahren die dort im 1. Stock liegenden Räume zum Mariensaal zusammengefaßt wurden. Übrigens sind nur noch in der Bonaventurakapelle die originalen Butzenfenster erhalten geblieben.

Um das Jahr 1518 wurde an der Nordseite der Kirche noch der Friedhof errichtet.

Brüdergang - Anfangs ein Schlafsaal

 

Der Bereich oberhalb des Refektoriums, Brüdergang genannt, hat eine große Balkendecke wie der darunter liegende Speisesaal. Im Brüdergang hing von Beginn an ein großes gotisches Kruzifix, welches sich seit den 1990er Jahren in der Bonaventurakapelle befindet.

Ebenfalls sehenswert ist die alte Sakristei, die in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben ist, obwohl ebenfalls in den 50er Jahren im Raum davor eine neue Sakristei entstanden war.

 

Das neue Kloster gehörte bei seiner Gründung zur österreichischen (Wiener) Franziskanerprovinz und ab 1580 zur neugegründeten "Tiroler Franziskanerprovinz vom Heiligen Leopold".

 

 

 

 



Zur Linken ist die älteste Darstellung des Schwazer Klosters aus dem frühen 18. Jahrhundert zu sehen (aus dem Klosterarchiv Bozen). Wer das Kloster in seinem heutigen Zustand kennt, sieht sofort die Unterschiede. Von besonderem Interesse ist die Kapelle im Garten (im Bild gang rechts), die nicht mehr existiert (nicht zu verwechseln mit dem Pavillon an der Südmauer). Der Klerikatstrakt (ganz rechts unten) wurde erst 1736 errichtet. Das Hauptgebäude war mit diesem Gebäudeteil nur über einen schmalen Gang (quasi ein Schwibbogen) verbunden. Dieser Übergang wurde erst 1925 ausgebaut. Der östliche Gartenteil (Bild-Oberkante) kam erst 1882 dazu, dieser gehörte damals (im 19.Jh.) noch zum Knapp-Haus. Der große Innenhof war um das Jahr 1730 noch begrünt. Die Klosterchronik erwähnt im Jahr 1699 eine Neugestaltung des Kreuzganghofes mit Blumen, Säulen und Bänken. Schon damals stand die markante Linde auf unserem Kirchenvorplatz. Leider steht auch die alte Weberei im Garten nicht mehr.

RefektoriumDurchaus sehenswert ist auch das alte Refektorium (der Speisesaal), welches sich seit der Anfangszeit nicht sehr verändert hat. Natürlich wurden die Tische und der Holzboden sowie die Vertäfelung im Laufe der Jahrhunderte einige Male erneuert (zuletzt 1961). Hier werden alle Mahlzeiten eingenommen und die zweimal wöchentlichen Rekreationen, das abendliche zusammensitzen, findet ebenfalls hier statt. Zu besonderen Anlässen konnten somanche Schwazer diesen Raum betreten. Einer der Luster war übrigens für den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand vorgesehen. Nach dessen Ermordung war der Schwazer Schlosser Rappel auf zwei Duzend eben gefertigte Luster sitzen geblieben. Ein amerikanischer Provinzial sah den Luster, welcher als Leihgabe in der Klosterbibliothek hing und kaufte alle Luster für eine Kirche seiner Provinz. Als Dank bekam das Kloster von Jakob Rappel einen Luster geschenkt.

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Die Kirche

Die großen Renovierungsphasen: 1618Barock/1735 - 1844 - 1936 - 1965 - 1990

Es soll anfangs gleich Erwähnung finden, dass die Veränderungen in der Kirche im Laufe der Jahrhunderte so zahlreich waren, dass Vieles nicht festgehalten wurde und hier nur ein grober Überblick präsentiert wird.


Quelle: Erich Egg - Kunst in Schwaz - Hrsg: Museumsverein Schwaz - Otto LarcherDie Leitung und Planung für den Kirchenbau 1508 wurde wie schon beim Kloster dem Meister Christoph Reichartinger übertragen. Der ausführende Werkmeister war Ulrich Klotz, der selbst auch Steinmetz war. (Er hat u.a. das Refektoriums- und das Sakristeiportal geschaffen). Als Vorlage diente Reichartinger die Hl. Kreuz-Kirche in Augsburg (ehem. Chorherrenstift, im 2. Weltkrieg durch Bombentreffer schwer beschädigt, heute Dominikanerkloster). Am 3. Mai 1515 wurde die neue (noch nicht ganz fertiggestellte) Kirche feierlich eingeweiht. (Das Kirchweihfest wurde früher traditionellerweise immer am dritten Sonntag nach Ostern gefeiert). Die Franziskanerkirche gehört zu den größten gotischen Gotteshäusern Tirols (59 m lang, 20 m breit).

Es wurden sechs gotische Altäre errichtet, von denen der Apostelaltar das Werk Hans Malers war. Der Hochaltar stellte im Mittelschrein die Stigmatisation des Hl. Franziskus dar, die Seitenaltäre u.a. Maria Schmerzen, Sippen-, Apostel- und Passionsaltar. (Der Schmerzensaltar wurde von der 1512 gegründeten Bruderschaft der Sieben Schmerzen Mariens gestiftet).

Im Jahre 1521 kam aus Eichstätt über Passau ein vom schwäbischen Meister Loy Hering gefertigtes Steinkreuz. Es wurde im Langhaus mittlings vor dem Lettner aufgestellt und mit einem Gitter umschlossen.

Bereits im Jahre 1585 wurde der Hochaltar auf Betreiben des Provinzials P. Gabriel Raber durch einen Renaissancealtar ersetzt (bzw. der Altar umgebaut). Dieser wurde vom Haller Maler Melchior Ridterl (od. Ritterl) gefaßt. Er stellte, wie sein Vorgängerwerk, wiederum die Stigmatisierung des Hl. Franziskus dar. Dieser Altar ist leider verschollen.


  

Von der gotischen Grundausstattung ist in der Franziskanerkirche nur sehr wenig erhalten, so etwa eine spätgotische Skulptur der "Mater Dolorosa" aus dem frühen 16. Jh. und das ausdrucksvolle Steinkruzifix des Loy Hering (laut Prof. Ulrich Söding stammt es vom Augsburger Meister Gregor Erhart). Drei Tafelbilder des Apostelaltars, die Tafelbilder des Passionsaltars und fünf Bilder des Annaaltars (Sippenaltar) sind heute auf Schloss Tratzberg. Zwei weitere Tafelbilder aus dem Apostelaltar des Hans Maler (Marter der Apostel Bartholomäus und Andreas) befinden sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Sie wurden um 1816 verkauft bzw. geraubt. Ihre letzten Tafelbilder verkauften die Franziskaner vermutlich um das Jahr 1840. Neben der Schmerzensgruppe blieben nur zwei gotische Reliefs (ca. 1520) dem Kloster erhalten, denn sie waren im Altar der Bonaventurakapelle eingearbeitet worden.

 

Renovierung 1618

Unter der Führung des Meister Leibacher wurden damals die Kirchensäulen poliert und der seitliche Franziskusaltar abgetragen und versetzt. Weiters wurde die Kirche von Meister Bruel geweißelt.

Neu geschaffen wurden u.a. die Gitter und das Chorgestühl:

Die beiden Seitenteile des hinteren schmiedeisernen Gitters, eine Arbeit des Jenbachers Christoph Stöckl (1621) gehörten ursprünglich auch zum Lettner und waren dort eingesetzt. Der jüngere mittlere Teil des Gitters stammt von Josef Mayr aus Schwaz (1735). In der Mitte des Lettners befand sich das große Steinkreuz von Loy Hering (siehe unten). Bemerkenswert ist auch das Renaissance-Chorgestühl. Es wurde 1617 - 1618 vom Schwazer Kunsttischler und Bildhauer Michael Pirtaler zusammen mit zwei weiteren Gesellen und mit dem Augsburger Schlosser Johann Wolf geschaffen. Von den ursprünglichen vier Reihen haben sich zwei erhalten. Aus der Anfangszeit stammt auch noch die alte Sakristeitüre. Diese schmideiserne Türe wurde im Jahre 1509 errichtet, ist eine Arbeit des Meisters Andre und trägt das Wappen der Stifter, die Gewerken Stöckl. Das beeindruckende Portal stammt von Ulrich Klotz.

Honegger - Glorie des hl. Franziskus

Im Jahre 1621 wurde auch ein neuer Hochaltar errichtet. Damals war es üblich, an Werktagen den wertvollen Mittelschrein mit einem Bild zu verdecken. Dieses Gemälde, darstellend die Glorie des Hl. Franziskus und Franziskanerheilige im damals üblichen grauen Reformatenhabit, stammt vom Innsbrucker Hofmaler Paul Honegger, und ist noch im Besitz des Klosters.

In einer Klosterrechnung des Jahres 1631 wird ein Tischlermeister und zwei Gesellen für die Aufstellung der Krippe und des Ostergrabes entlohnt. Nähere Informationen zu diesen frühen Kunstwerken existieren leider nicht.

Am Rande des Friedhofs wurde 1650 eine kleine Kapelle errichtet. Sie galt als erste der insgesamt zehn Schwazer Haagkapellen. 1885 wurde sie zu einer Lourdesgrotte umgestaltet. Die Marienstatue wurde von einer Delegation eigens aus dem französischen Wallfahrtsort geholt.

Im Jahre 1687 bekam die Kirche unter dem Guardian P. Nikolaus Perckhofer einen neuen Boden. Die Marmorplatten dazu kamen aus dem Steinbruch in Kleinsöll bei Breitenbach. Dieser Steinboden wurde 1990 durch einen Neuen ersetzt.

 

BAROCKISIERUNG

1696 wurde wiederum ein neuer Hochaltar und neue Seitenaltäre errichtet (so u.a. ein neuer Schmerzensaltar, 1700-1705 und wahrscheinlich auch den Franziskus- und den Antoniusaltar ), diesmal von den Franziskanern selbst, nämlich dem Tischler Frater Felizian Griessauer und dem Maler Frater Lukas Plazer. Letzterer schuf u.a. das Hochaltarbild "Allerheiligen des Seraphischen Ordens", welches heute im Seitenschiff hängt, und die Medaillons des ehemaligen Seitenaltars Maria Schmerzen. (Eines dieser Medaillons wurde für die Wiedereinsetzung in den Altar ca. 1870 von Alois Käsbacher im Querformat neu gemalt). Damals stand der Schmerzensaltar (mit einem Gitter umgeben) an der nördlichen Längsseite des Hauptschiffes, wo heute der Seiteneingang ist.

Auch für diesen Altar wurde ein Abdeckbild für die Wochentage von Bruder Lukas Plazer geschaffen ("Maria als Fürbitterin der Armen Seelen"). Es hängt heute in der Klausur des Klosters. Ebenfalls aus dem 17. Jh. stammen die großen Bilder unter der Westempore. Sie wurden vom Brixner Maler Stefan Keßler geschaffen und stellen die heiligen Franziskaner Petrus Regalatus (1676 ?) und Franziskus Solanus (1675) dar.

Die größten Veränderungen fanden im Jahre 1735 unter der Leitung von Baumeister Jakob Singer statt. Guardian P. Theophilus Perkhofer war von der Provinzleitung damit beauftragt worden. Die drei rückwärtigen Fenster im Presbyterium dürften zu dieser Zeit zugemauert worden sein. Der Lettner und die Rippengewölbe wurden entfernt und das Gewölbe von Jakobs Bruder Hans Singer und Jakobs Sohn Kassian mit feinen Stukkaturen geschmückt. Von Hans Singer stammt auch die neue Kanzel. (In der Bonaventurakapelle blieb das alte Rippengewölbe wegen seines kleinen Umfangs erhalten). Die abgebrochenen Rippen wurden als Fundament für den Bau des Klerikatstraktes verwendet. Bei dessen Umbau 1925 tauchten diese wieder auf und wurden wieder als Fundament verwendet, diesmal unter die neue Kellertreppe des Studienhauses.

Die gotischen Marmorpfeiler des abgebrochenen Lettners wurde für die neuerrichtete Westempore verwendet. Das ehemalige Lettnergitter stammt vom Jenbacher Kunstschlosser Christoph Stöckl aus den Jahren 1621/23 und wurde 1705 vom Schwazer Schlosser Johann Rutter erweitert. Nun wurden die Seitenteile von Josef Mayr erhöht, ein völlig neues Mittelstück geschaffen und unter die Westempore verlegt. Die übriggebliebenen Teile kamen ins Augustinerinnenkloster St. Martin in Schwaz .

Es war auch der junge Absamer Bildhauer Johann Michael Fischler an der Gotisches Kreuz von Loy Hering mit Barockaltar und Figuren von J.M. FischlerAusstattung der Kirche beteiligt. Er schuf die Statue des Hl. Josef. Außerdem setzte er das kurz vor der Transferierung umgefallene und zerstörte Steinkruzifix von Loy Hering (im Foto oben ganz rechts zu sehen) in nur 3 Monaten wieder her und schuf den gesamten Barockaufbau des neuen Seitenaltars, der 1739 aufgestellt wurde. Dieses bisher vor dem Lettner alleinstehende Steinkreuz wurde auf die Südseite transferiert, wo bisher die Kanzel gestanden hatte. Als Altarbasis diente der ehemalige Apostel- oder Kreuzaltarstein.

Bei diesem Unfall ging leider auch die Grabplatte des vor den Schweden geflohenen Abtes Johannes VIII. Merk von St. Ulrich und Afra in Augsburg zu Bruch, der 1632 hier im Kloster starb und begraben worden war. Diese Grabplatte fand man später vergraben auf dem Friedhof, sie wurde angeblich in einen der Seitenaltäre eingelegt.

Eine zerbrochene Grabplatte steht allerdings im Pfortenhof. Es handlet sich dabei höchstwahrscheinlich um jene Grabplatte des Abtes Johannes Merk. Mehr dazu im Kapitel "Kreuzgang".

Der Schmerzensaltar wanderte 1735 von seinem Platz an der Nordseite zum freigewordenen Abschluss des Seitenschiffes. Die beiden Seiteneingänge wurden geschlossen. Dort wurden der Annen- und der Katharina- und Barbara-Altar aufgestellt. Der durch die Verlegung des Schmerzensaltares frei gewordene Platz wurde zum neuen Seiteneingang. Die gegenüber an der Südseite gelegene Kanzel wurde abgerissen und eine neue Kanzel im Kirchenschiff von Hans Singer geschaffen.

Ein Schwazer Maler, der so manchen Beitrag geleistet hat war Johann Georg Höttinger d.J. Im Jahre 1727 stattete er die Kirche und den Kreuzgang mit einigen Fresken aus (Von seinem Freskenzyklus in der Kirche mit Szenen aus der Hl. Schrift, ev. Jesusleben, ist nichts mehr erhalten). 1730 malte er für unsere Kirche eine Weihnachtskrippe. (Tatsächlich können aber nur noch einzelne Figuren der heute existierenden Bretterkrippe Höttinger zweifelsfrei zugeordnet werden. Einige Figuren, sowie die Hintergrundkulisse dürften im frühen 19. Jahrh. erneuert worden sein. Sie hat auch nichts mit der 1631 erwähnten Krippe zu tun.)

Von ihm stammen auch die Kreuzwegstationen aus der Zeit nach 1735. Diese waren vor langer Zeit ins Kloster Lienz gekommen. Nachdem sie dort 1923 neuen Fugelkopien weichen mußten, kamen sie im Jahre 1936 kurz vor der Kirchenrenovierung nach Schwaz zurück. (Das Kloster besitzt auch 2 Stationen (Nr. 13 u. 14) eines weiteren Kreuzweges von Höttinger, wahrscheinlich aus der Stadtpfarre stammend; vom Verbleib der übrigen Stationen ist nichts bekannt.)

Leider wurden im Laufe der Barockisierung sämtliche gotische Butzenscheiben ehemaliges gotisches Glasfenster / Foto: Bundesdenkmalamtentfernt und an einen Glasermeister verkauft. Die eingearbeiteten gotischen Glasmalereien (z.t. Heilige und die Wappen von Wohltätern darstellend) fielen leider dem barocken Lichtfanatismus zum Opfer. Der damalige Guardian P. Theophilus bemühte sich vergeblich um deren Rettung. Das letzte erhaltene Fenster mit dem Stifterwappen der Familie Aufhauser befindet sich heute im Landesmuseum Ferdinandeum (s. Abb.).

Im Jahre 1737 kam das bei Franz Sebald Unterberger bestellte Altarbild "Tod des Hl. Josef" nach Schwaz (seit 1954 als Leihgabe in der Pfarrkirche von Kufstein/Sparchen). Aus dem Jahr 1739 stammt das von Georg von Marées geschaffene Sippenbild des Annenaltares und ein Jahr später schuf Franz Sebald Unterberger das Altarblatt der heiligen "Katharina und Barbara".

1736 stiftete Johann Baptist Wimmer, der pensionierte Hauptkassier der Schmerzensbruderschaft, einen neuen Josefsaltar, der am freigewordenen Abschluss des rechten Seitenschiffes stehen sollte, als Pendant zum Schmerzensaltar. Dieser wurde wiederum von Franziskanerbrüdern geschaffen. Das Hauptwerk führte Frater Joseph Lederle aus. Die passenden Medaillons zum Leben Josefs und das Oberbild (Josef und Maria als Fürsprecher bei der Klostergründung, heute in der Sakristei) schuf diesmal Pater Cyrill Oberberger. (Das Aussehen der beiden vorderen Seitenaltäre Maria Schmerzen und Josef, welche ja 1840 abgebrochen wurden, dürfte den noch existierenden Seitenaltären (Anna- bzw. Katharina u. Barbaraaltar) gleichkommen, nur größer, blau lasiert und teilweise vergoldet).

In den Jahren 1737 bis 1739 wurde die Kirchenorgel in unserer Kirche restauriert. Gleichzeitig errichtete der Franziskaner P. Gaudentius Köck die großartige Barockorgel in der Schwazer Pfarrkirche. Mit seinem Verdienst konnten teilweise die Kosten der Barockisierung getragen werden.

Schließlich kam 1753 noch ein kostbares Uhrwerk des Franziskaners Johann Capistran Silbernagel hinzu. Über ein Gestänge werden noch heute 5 Ziffernblätter, verteilt über das ganze Kloster, bewegt.
Als Krönung schuf Christoph Anton Mayr ein großes Heiliges Grab für unsere Klosterkirche. Dieses wurde 1764 zum ersten Mal aufgestellt.

In den 1780er Jahren musste kurzzeitig, auf Grund einer Verordnung Kaiser Joseph' II., der klostereigene Friedhof stillgelegt werden. In diesen Jahren wurden die Franziskaner auf dem Stadtfriedhof beerdigt (heute Stadtpark).

 

RENOVIERUNG 1844

Im Jahre 1844 wurde von einem Wattener Tischler ein neuer Hochaltar und die zwei vorderen Seitenaltäre errichtet (Schmerzens- und Josefs-Altar - beide 1965 entfernt). Leider wurden die beiden von Franziskanerbrüdern 1705 und 1736 gefertigten schönen Barockaltäre vorher entfernt und vernichtet.

Passende Bilder malte nun Gebhard Flatz (Stigmatisation des Hl. Franziskus, Santa Conversazione). Zur Finanzierung verkaufte man gotische Tafelbilder, die letzten Reste der mittelalterlichen Kircheneinrichtung. Die Medaillons setzte man scheinbar erst in den 1870er Jahren in die Altäre ein. Dazu mußte, wie schon vorher erwähnt, eines der Medaillons ("Jesus begegnet Maria am Kreuzweg") von Alois Käsbacher im Querformat neu gemalt werden.

Bereits im Jahre 1843 kam eine neue Orgel des Schwazers Josef Aigner dazu. Er verwendete z.T. Orgelpfeifen der Vorgängerorgel. Die ältesten Pfeifen stammen aus dem Jahr 1613.

Zwei alabastergefasste Rokokostatuen hatte man vom Stift Fiecht ebenfalls gegen ein gotisches Tafelbild eingetauscht. Dieses Bild ging beim Stiftsbrand d.J. 1868 verloren. Unerklärlicherweise mußten diese wertvollen Stauten bereits 1872 (oder 1877) den vergleichbar wertlosen Statuen Petrus und Paulus des jungen Bildhauers A. Winkler Platz machen (heute im Depot). Heute wissen wir über den Verbleib dieser Rokokostatuen nichts mehr. Sie sind auf dem historischen Foto links aus dem Jahr 1872 (mit Festschmuck - Abdeckbild und Baldachin) noch zu sehen. Sie stellten den Markgrafen Leopold von Österreich (Provinzpatron) und Kaiser Heinrich dar.

Kaspar Jele schuf ein Franziskus- und Josef Plank ein Antoniusbild für die jeweiligen Altäre. Beide Gemälde wurden Anfang des 20. Jh. für "zu minderwertig" befunden und ersetzt. Über ihren Verbleib ist ebenfalls nichts bekannt. Ein ähnliches Franziskus-Bild von Kaspar Jele befindet sich im "Depot" des Reuttener Klosters.

Eines der neuen Altarblätter, eine Kreuzigungsszene hatte Johann Entfelder um 1844 gemalt. Er hatte damals auch die Außenfassade (Giebelfront) der Kirche mit einem großem Fresko geschmückt. Es stellte die Heiligen „Franziskus, Johannes, Josef und Pazifikus“ dar. Im Jahre 1893 wurde es durch ein Franziskusmosaik des Innsbrucker Künstlers Albert Neuhauser ersetzt.

Im Jahre 1884 wurden die barocken Dachreiter (Glockentürmchen) renoviert und 1889 der Vordere durch ein neugotisches Türmchen ersetzt.

 

RENOVIERUNG 1936

Eine umfassende Kirchenrenovierung wurde 1936 bis 1939 durchgeführt, aber es gab keine größeren Änderungen. Im Jahr 1936 wurde das Kirchendach erneuert. 1937 ging man an die Innenrenovierung der Kirche. Noch vor dem Beginn (Frühjahr 1937) kam der alte Kreuzweg von J.G. Höttinger aus Lienz nach Schwaz zurück.

Das neugotische Dach über dem Eingangsportal wurde abgebrochen. Das Altarbild "Stigmatisation des Hl. Franziskus" des Innsbruckers Kaspar Jele wurde durch ein neues "Michaelsbild" des belgischen Franziskaners Andreas Bosteels ersetzt.

Bisher konnte die Kirche und das Kloster praktisch stufenlos betreten werden. Man entschloss sich damals aber den Hügel vor dem Kircheneingang abzutragen und es enstanden die Kirchenstufen.

In den Jahren 1954/1955 wurde der Raum zwischen Kirche und Sakristei zur "Neuen Sakristei" umgebaut. Die alte Treppe an dieser Stelle wurde neuerrichtet (um 180 gedreht). Der Sakristeiraum im Dachboden wurde aufgelassen. Der Kreuzgang im 1. Stock, oberhalb von Sakristei und Bonaventurakapelle wurde abgemauert, Wände entfernt und ein großer Versammlungsraum (damals für die Franziskanische Gemeinschaft) geschaffen. In die Nebenräume wurde die öffentliche Bücherei verlegt (vorher im Kreuzgang - nahe Eingangsbereich). Die alte Hostienbäckerei, ein kleiner Zubau an der Außenfront der Sakristei, wurde abgerissen.

 

Kirche vor 1923 mit Josefsgemälde von F.S. Unterberger (heute in Kufstein), den 6 Statuen im Presbyterium und dem klassizistischen Kreuzgweg

 

RENOVIERUNG 1965

Im Jahr 1962 beauftragte das Provinzkapitel die jeweiligen Hausoberen, ihre Kirchen im Geist des zweiten Vatikanischen Konzils zu erneuern.

Bei der Restaurierung 1965 unter Guardian P. Bonifaz Madersbacher wurden (trotz heftigen Widerstands im Kloster und in der Bevölkerung) der klassizistische Hochaltar und die vorderen Seitenaltäre ersatzlos entfernt und zerschlagen. Dazu kam auch ein überdimensionaler Volksaltar.
Die altehrwürdige gotische Mensa (Hochaltarblock), welche aus Ehrfurcht immer dort belassen worden war, fiel ebenfalls dem Erneuerungsplan zum Opfer und wurde abgerissen.

Zwei der vier an den Seitenwänden des Presbyteriums stehenden Heiligenstatuen verschwanden. Zum letzten Mal waren sie auf einem Foto vor 1954 zu sehen. Welche Heiligen die zwei Statuen darstellten und wohin sie verschwanden, wissen wir nicht. Auf den ältesten Fotos (ca. 1870/80) sind noch sechs Statuen an den Presbyteriumswänden zu sehen.

Die farbenprächtigen Glasfenster hinter dem Hochaltar, die damals errichtet wurden (diese Fenster waren ja lange Zeit zugemauert und wurden erst 1965 wieder geöffnet), entstanden nach Entwürfen des Schwazer Künstlers Fred Hochschwarzer und stellen Szenen aus dem Leben des Hl. Franziskus und weiterer Heiliger und Heiligmäßiger aus der franziskanischen Familie dar (die thematischen Vorgaben stammen von P. Bonifaz und gaben so viele Szenen vor, dass die Personen von Prof. Hochschwarzer klein und dichtgedrängt dargestellt werden mussten). Als theologischer Berater fungierte der mit dem Künstler befreundete P. Josef Steindl. Die Seitenfenster im Presbyterium sind Spätwerke von Prof. Fred Hochschwarzer und wurden 1990 eingesetzt. Die Fenster wurden von Innsbrucker Glasmanufaktur gefertigt. Das Glasfenster über dem Seiteneingang stammt von Adolf Luchner und entstand 1992.


Des weiteren wurde die Kirche mit einer Gebläseheizung ausgestattet. Auf dem Klosterhof (heute Parkplatz) wurde der Öltank aufgestellt. Der Brenner stand in einem Raum am Ende des alten Apfelkellers. Ein Schacht musste unter den Kreuzgang und durch das starke Fundament der Kirche durchgegraben werden. (Diese schwere Arbeit verrichteten die damals jungen Brüder Robert Eckersdorfer und Johann Josef Eller).


Im Kloster wurde u.a. das Geläute der Refektoriumsuhr entfernt (welche mit dem großen Uhrwerk im 1. Stock verbunden ist). Leider wurde auch gleich das entsprechende Gestänge vom Läutwerk entfernt, und eine spätere mögliche Wiederherstellung verhindert. Die Refektoriumsuhr und weitere vier Uhren, welche im Haus verteilt sind, werden aber weiterhin vom alten Uhrwerk angetrieben.

Eine wichtige Renovierungsaktion trug ca. 1965 viel zur Verschönerung des Klosters bei: Die Balkendecke des Refektoriums war in früheren Zeiten mit Brettern verschlossen und gekalkt worden. Auch die Balkendecke des großen Gangs im 1. Stock war gekalkt worden. Diese "Färbelung" wurde nun in mühevoller Arbeit wieder entfernt, sodass sie heute wieder in alter Pracht erscheint. Einer der fleißigen ArbeiDer Pforteneingang 1982 kurz vor dem Abrisster dieser Aktion war unser Gärtnerbruder.

Mit der Bischofsweihe des inzwischen zum Provinzial gewählten Pater Bonifaz und seine Versetzung nach Bolivien im Jahre 1970 fand diese Restaurierungsphase ihren Abschluss.

Klosterrestaurierung:

Bereits im Jahre 1975 begannen unter dem Guardian Pater Josef Steindl schon die Planungen für die Generalrenovierung des Klosters, welche von 1981 bis 1993 dauern sollte und von Guardian P. Wolfhard Würmer gestartet wurde. Dabei wurde u.a. der Pforteneingang abgerissen und neu gestaltet. Das schöne schmiedeiserne Gitter wurde dabei leider entfernt und der Firma Lintner überlassen. Die Holzhütte auf dem Außenhof wurde abgerissen um Parkplätze zu schaffen (seit der Parkraumbewirtschaftung bei manchen Schwazern gern genutzt). Die vielen Fensterläden des Klostergebäudes wurden aus Kostengründen nicht ausgebessert und ersatzlos entfernt. Die Bonaventurakapelle wurde im Jahr 1987 restauriert. Es wurde auch hier die alte gotische Altarmensa abgerissen und durch einen Priestersitz ersetzt. Die Altarplatte wurde für den neuen Volksaltar wiederverwendet.

 

RENOVIERUNG 1990

Bei der letzten Kirchen-renovierung 1990 - 1993 wurden zwei der hinteren südseitigen Seitenaltäre (Franziskus- und Antoniusaltar - links und rechts vom Kreuzaltar) nach vorne verlegt (heute Schmerzens- bzw. Josefsaltar) um die fehlenden Altäre zu ersetzen. Das Michaelsbild von Pater Andreas Bosteels (bisher am Franziskusaltar) wanderte hinauf auf die Westempore. Das Franziskusbild des Frater Lukas Plazer ersetzte den nun fehlenden Franziskus- bzw. Michaelsaltar auf der Südseite des Langhauses.

Der Volksaltar und der Marmorboden wurden ersetzt und die seitlichen klassizistischen Beichtstühle entfernt. Dazu kam ein neuer schlichter Hochaltar aus einfachen glatten Marmorblöcken (diese haben eine wichtige statische Funktion bei der Aufstellung des Ostergrabes und der Weihnachtskrippe). Die Gestalt wurde einem gotischen Flügelaltar nachempfunden. Die Gebeine der Seligen Illuminata wurden wieder in den Hochaltar eingebettet. Weiters wurden neue Lampen aufgehängt ...

Weitere Änderungen gab es auch auf dem Betchor, der als solcher nicht mehr genutzt wurde. Die meisten Bänke wurden entfernt, ebenso etwas später das Holzgitter an der Brüstung. Der Motor für das Orgelgebläse wurde vom Dachboden heruntergeholt.

Die Gebläseheizung der Kirche wurde aus Kostengründen wieder entfernt und durch eine elektrische Bankheizung ersetzt.

Alle Altarbilder aus Vergangenheit und Gegenwart auf einen Blick (Homepage 2!)

Mehr Bilder von Kirche und Kloster

Blick auf die 1735 errichtete Westempore

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Der Schwazer Kreuzgang

Ein einzigartiges Kunstwerk

Die Bonaventurakapelle und der Kreuzgang des Klosters (der ja auch als Begräbnisstätte diente) wurden, wie schon erwähnt, am 16. Oktober 1509 eingeweiht. An den Konsolen der Gewölberippen brachte man die Wappen der Fürstentümer und Länder Kaiser Maximilians an. Damit sollte dem Kaiser für seinen Einsatz und seine Fürsorge gedankt werden.

 

Die Fresken wurden in den Jahren 1519-1526 geschaffen (Ein früherer Beginn, ca. 1516, ist auch denkbar). Der Schöpfer dieser Bilder ist der Franziskaner Wilhelm von Schwaben. Wahrscheinlich, so die heutige Meinung, hat er die Fresken aber nicht ganz alleine geschaffen. Auch ist die Detailtreue der Zeichnungen von Bild zu Bild verschieden. Pater Wilhelm könnte also mehrere Helfer gehabt haben. Ein Fresko stellt laut dem Konventprotokoll (Chronik) die Maler dar. In einem Eintrag, heißt es übersetzt: „Drei Maler können gesehen werden in der linken Ecke, wenn man aus der Refektoriumstür hinausgeht“. In früheren Schriften wurden die Brüder Hans und Jakob Rosenthaler, Brüder des Gewerken und Stifters Caspar, als Maler bezeichnet, aber diese Behauptung entbehrt jeder historischen Wahrheit. Tatsächlich sind die Namen der Künstler bis heute unbekannt.

Dargestellt ist ein Passionszyklus in 24 Bildern auf einer Fläche von über 200m². Als Vorbilder dieses Passionszyklus dienten Holzschnitte der Meister Hans Schäufelein, Albrecht Dürer und Martin Schongauer. Die Schöpfer der Fresken verlegten die Szenen des Passionszyklus in ihre Zeit, wodurch sehr interessante Details aus jener Epoche zu sehen sind. Das geht von der Kleidung über Alltagsgegenstände bis zu den Waffen. Die "Zeichnungen" wurden dann flächendeckend bemalt. Die Bilder sind nicht chronologisch geschaffen worden, sondern die Reihenfolge bestimmten die jeweiligen Stifter der Bilder (erkennbar an den unteren Ecken der Fresken, soweit noch vorhanden und teilweise auch an den Schlusssteinwappen im Gewölbe). Gleich die ersten drei Fresken im Westgang (Abendmahl, Ölberg, Gefangennahme) wurden von den drei Fieger-Brüdern gestiftet: Sigmund, Christoph und Hans Fieger.

Die Ziermalereien am Gewölbe (Ranken und Vogelbilder) entstanden im späten 16. Jh. (Experten gehen auch von einer viel späteren Schöpfung bzw. einer Übermalung/Ergänzung des 19. Jh. aus).

Die heute noch sichtbaren BildeZu den Bildernr wurden in der Vergangenheit immer wieder koloriert. Die erste belegte Übermalung der Fresken fand 1652 statt. Diese Arbeiten führten Georg Höttinger und sein Sohn Andreas aus. Leider waren diese Färbelungen wegen der minderwertigen Grundierung von sehr schlechter Beständigkeit und mussten bereits im Jahr 1687 durch Andreas Höttinger wieder erneuert werden. Diesmal wurden die Fresken aber mit Ölfarben vollkommen übermalt.


Die sehr schönen Zeichnungen ließen die Fachwelt wegen ihrer zum Teil sehr detaillierten Darstellungen lange Zeit vermuten, dass eine Bemalung ursprünglich nicht geplant war. Die Farbe wurde anfangs von den Schöpfern der Fresken, wie auch bei der ersten Restaurierung, nur flächenfüllend aufgetragen, ohne viel Schattengebung, wobei eine spätere Übermalung eben nicht vorgesehen war, so die bisherige Annahme. Heute tendieren manche Experten wieder zu der Meinung, es handle sich doch "nur" um Vorzeichnungen, dessen spätere Bemalung durchaus geplant gewesen sei. Die heute noch vorhandenen Originalbilder werden fachsprachlich nicht als "Fresken" sondern als "Secco-Malerei" bezeichnet.

Die letzten umfangreichen Restaurierungsarbeiten der meisten barocken Fresken (die späteren Bemalungen) fanden durch den Tiroler Maler Alfons Siber von 1898 bis 1911 statt. Von seinen ursprünglich 11 Entwürfen zu den Malarbeiten sind nur noch 3 erhalten geblieben. Das hier dargestellte Aquarell (rechts) stellt das gleiche Motiv dar wie das Bild oben, im heutigen Zustand - nach der Farbentfernung. Siber erneuerte alle Fresken des Nord- und Ostgangs. Daneben restaurierte er scheinbar auch die Wappen und die Gewölbemalereien.

Die Fresken an der etwas feuchteren Westwand wurden wegen ihres schlechten Zustandes 1912 abgedeckt (d.h. die Bemalung ersatzlos entfernt). Alle übrigen Malereien, die barocken Höttingers und jene Sibers, wurden bei der Renovierung 1939 bis 1945 leider vollständig entfernt.

Durch die ständigen Renovierungen bzw. Übermalungen und die Entfernung derselben waren die ursprünglichen Vorzeichnungen der Fresken ebenso in Mitleidenschaft gezogen worden, wie durch die Witterung.

Die Fenster zum Innenhof waren eventuell teilweise mit bemalten Glasfenstern ausgestattet. Unter anderem waren die Wappen der Brüder Jörg und Hans Stöckl eingearbeitet worden.

Im vorderen Korridor befinden sich vier überaus wertvolle Ölbilder, welche der damalige Guardian P. Augustin Andreae nach 1600 in Auftrag gegeben hatte. Die Abschnitte 2 und 3 (Verkündigung, Anbetung Jesu) wurden von Josef Ridterl (od. Ritterl) aus Hall im Jahre 1608 geschaffen. Der Stifter des Freskos "Verkündigung" war der Abt Paulus Widmann von Tegernsee. Er ist am unteren Bildrand dargestellt. (Es ist interessanterweise in diesem Bild auch das Wappen des Stiftes Georgenberg abgebildet!). Links und Rechts des Freskos „Anbetung Jesu“ sind die Wappen des Erzherzogs Ferdinands II. und der Stifterin, seiner zweiten Gemahlin Anna Katharina von Gonzaga-Mantua dargestellt. Am unteren Ende des Freskos Anbetung Jesu ist eine kniende Person mit einer Goldkette und einem Wappen dargestellt, welche man bisher für einen unbekannten Stifter hielt. Es könnte sich hier um eine Selbstdarstellung von Meister Ridterl handeln (darum auch die Meisterkette). Die Schöpfer der Abschnitte 1 und 4 (Taufe Jesu, Lauretanische Litanei) sind unbekannt. Der Stifter des ersten Bildes ist "Hanns Taurnhauser". Über der alten Pfortentüre ist ein Fresko, den „Barmherzigen Samariter“ darstellend, angebracht, welches jüngeren Datums ist. Es befindens sich darunter ältere Rankenmalereien.

Weitere Freskenfragmente finden sich in einem der Zimmer über dem Kreuzgang. Heute ist es eine Archivkammer. Zur Anfangszeit waren hier vermutlich Gästezimmer. Einer der Maler der Kreuzgangfresken hat hier wohl mit seine Probezeichnungen „hinterlassen“.

Die drei Innenhöfe des Klosters, also auch der Kreuzganghof, wurden bei der letzten Generalrenovierung in den 1980er Jahren jeweils mit Granitsteinen gepflastert. Wegen anhaltender Probleme mit der Feuchtigkeit hatte man schon lange auf eine Begrünung oder sonstige Gestaltung der Höfe bewußt verzichtet. Zur Begrünung verwendete man bis in die 80er Jahre Kübelpflanzen.

 

Der Kreuzgang als Grabstätte

Schließlich soll noch erwähnt werden, dass der Kreuzgang lange Zeit als Grabstätte verwendet wurde. Zahlreiche Gebeine liegen noch unter den Steinplatten. Von den Grabplatten hat nur eine Einzige die Zeiten überdauert. Sie liegt am Ende des Südganges und gehört zum Grab des Jörg Scholt, der 1512 verstorben war. Die Künstlerzeichen auf der eingelassenen Erzplatte lassen vermuten, dass Jörg Scholt als Künstler beim Bau beteiligt war. Aber eine frühere Rechnung der Liebfrauenkirche (heute Pfarrkirche) erwähnt einen Kaufmann Jörg Schott, der wohl mit unserem Jörg Scholt gleichzusetzen ist.

Eine zweite Grabplatte steht wie schon erwähnt im Pfortenhof. Im Zuge der Klosterrenovierung wurde diese Grabplatte im Jahr 1982 im Pfortenhof unter der Erde gefunden und an Stelle einer zugemauerten Türe aufgestellt. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die 1735 zerbrochene Grabplatte des 1632 in Schwaz verstorbenen Abtes Johannes Merk vom Augsburger Stift St. Ulrich und Afra. Kreuzgang-Bilder (z.T. vergrößerbar). Von den vielen Grabplatten aus Kirche und Kreuzgang ist sonst keine weitere erhalten geblieben.

Extern:
Kreuzgangbilder (großen Gallerie)
(alle Fresken in Reihenfolge, Stifterwappen, Länderwappen, etc...)

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Das Studienkloster

(Auszug aus der Bibliotheksgeschichte)

Semesterprüfung 1932 im SChwazer StudienhausNach der Einverleibung des Schwazer Klosters in die neuerrichtete Tiroler Franziskanerprovinz im Jahr 1580 gibt es genaue Aufzeichnungen über diese Studienkurse. Innsbruck wurde schon bald nach der Provinzgründung 1580 Studienkloster, in dem folgende Fachgebiete gelehrt wurden: Grammatik, Rhetorik, Philosophie (Logik, Dialektik, Mathematik, Physik, Metaphysik), Dogmatik, Exegese und Jus canonicum. Die philosophische Richtung war damals die des bedeutenden Lehrers aus dem Franziskanerorden Johannes Duns Scotus. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bestimmte ein Generalkapitel, dass die theologischen und philosophischen Kurse auf verschiedene Konvente aufgeteilt werden sollten. Wichtige Studienklöster neben Innsbruck wurden nun Bozen und Freiburg. Das Kloster Schwaz wurde 1580 Noviziatskloster und war damit für die Ausbildung der jungen Ordensbrüder zuständig. Daher ist auch ein guter Bestand von spiritueller Literatur vorhanden. Wahrscheinlich fanden in diesem Kloster zeitweise theologische Kurse statt. Aber erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts intensivierte man die Studientätigkeit in Schwaz. Es wurde ein Teil des Klosters für die Kleriker und das Studium adaptiert und im 18. Jh. nochmals erneuert. Es wurden damals vermehrt Bücher gekauft oder von anderen Klöstern nach Schwaz transferiert. Ein sprunghafter Anstieg der Bücherzahl ist im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert zu verzeichnen.

Ab dem 18. Jh. begann nun der Staat vermehrt in die Gestaltung der Studien einzuwirken. Das brachte laufende Veränderungen mit sich. Die ordensinterne Studientätigkeit wurde in der Zeit des Josephinismus sogar unterbrochen.

1775 wurde das Studium auf jene Orte beschränkt, in denen sich eine Universität befand. 1783 wurde das Hausstudium überhaupt aufgehoben. Nun sollten alle Kleriker des Landes im neuen Generalseminar in Innsbruck studieren (welches in dem 1785 aufgehobenen Franziskanerkloster untergebracht war). Ab 1799 durfte man wieder Novizen aufnehmen und das Hausstudium wurde reaktiviert. Im Jahre 1818 wurde wieder ein geregelter Unterricht eingeführt, im Jahre 1821 aber der Aufsicht der Diözesanbischöfe unterstellt. (Das dürfte u.a. dazu geführt haben, dass die philosophische Ausrichtung, welche traditionellerweise dem Franziskaner Johannes Duns Scotus galt, auf Thomas von Aquin gelenkt werden mußte.) Ab 1822 fand das zweijährige Philosophiestudium in Schwaz statt. Unter anderem wurden auch naturwissenschaftliche Fächer und Philologie unterrichtet.

Ab 1850 wurden die Studien durch einen umfangreichen Ministerialerlass wiederum neu geregelt und Schwaz als Studienkloster aufgewertet. Aus jener Zeit (ca. 1830) sind u.a. Bibeln in äthiopischer, syrischer und arabischer Sprache vorhanden, dazu auch entsprechende Sprachschulen. Diese waren besonders für die Ausbildung angehender Hl. Land- und Afrika-Missionare wichtig.



1925 - 2010

Studienhaus vom Postpark aus gesehenStudienhaus als Reservelazarett


Im Jahre 1923 beschloss die Provinzleitung die Errichtung eines Studienhauses für ein ordenseigenes Theologiestudium. Es war zweifellos ein riskantes Projekt in dieser schwierigen Zeit. Das Gartenhaus und ein Teil des Klerikatstraktes wurden abgerissen. In den Jahren 1924/25 wurde der Bau errichtet. 1936 studierten 42 Theologen in Schwaz, davon kamen 5 aus der slowakischen, drei aus der kroatischen Provinz, sieben aus Litauen, zwei Theologen kamen aus dem böhmischen Kommissariat, 24 aus unserer Provinz und ein Theologe aus der Wiener Provinz der barmherzigen Brüder.

Originaler Baubericht aus dem Jahr 1925 Studienhaus in den 30er Jahren

In der Zeit des zweiten Weltkrieges stand das Studienhaus der Wehrmacht als Reservelazarett zur Verfügung. Dadurch entging man zumindest einer Aufhebung des Klosters oder einer Beschlagnahme durch die SS.

Einen starke Veränderung erfuhr das Kloster im Jahre 1972, weil in diesem Jahr das ordenseigene Studium aufgegeben werden mußte und die Mitbrüder seither an der Theologischen Fakultät in Salzburg studieren.

Von 1973 bis 1993 wurde hier ein Bildungsweg für sogenannte „Spätberufene“ angeboten, der Nichtmaturanten mit einem Vorbereitungsjahr und einem vierjährigen Intensivstudium zum Priestertum führte. Von 1968 bis 1995 war hier auch die Religionspädagogische Akademie der Diözese Innsbruck beheimatet.

 

Das Studienhaus bis zum Jahr 2010

Zur Zeit ist das Parterre an die „Lebenshilfe“ vermietet. Die „Aula“ diente als Festsaal und konnte theoretisch für familiäre Veranstaltungen (z. B. Geburtstagsfeiern) angemietet werden.

Im 1. Obergeschoß (OG) befanden sich der Arbeitsraum des Klosterbibliothekars, die Hausmeisterwohnung, das Büro der Studienhausverwaltung sowie Tagungs- und Seminarräume.

Im Jahr 2008 wurde das Studienhaus vom neuen Verwalter als "Herberge" beim Tourismusverband Silberregion Karwendel angemeldet. Seit 2011 wird der Herbergsbetrieb im Altbau des Klosters oberhalb des Refektoriums (9 Zimmer) weitergeführt.

Herbergsbetrieb im Altbau

 

Abgabe des Studienhauses

Im Jahr 2009 beschloß die Franziskanerprovinz, wegen der schwierigen finanziellen Situation des Klosters, das Studienhaus und einen Teil des Klostergartens per Baurecht auf 53 Jahre für Wohnungsbauten abzugeben. Die Stadtgemeinde erstellte zusammen mit Architekt Jürgen Hörhager das Projekt "Klostergarten". Von Jänner bis September 2012 wurde das Studienhaus von IWO-Bau entsprechend umgebaut und dazu im Garten ein großes dreistöckiges Wohnhaus gebaut.

 

So sahen die Räume aus:

       Die Aula im Parterre                                             Studienhauskapelle                           Die Küche
Aula Studienhauskapelle 
 Die Einzelzimmer                                                                  Der Gruppenraum

    

Detailfotos des vor dem Umbau stehenden Studienhauses
Zeugen der Vergangenheit

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Der Klostergarten


Dass ein gut bewirtschafteter Garten schon früh ein Anliegen der Brüder war, sieht man am Vorhandensein so mancher Literatur in der Klosterbibliothek, wie das Werk Oeconomia von Johann Coler aus dem Jahr 1597/98 (u.a. Ackerbau, Gartenbau), die neue Garten-Lust aus dem Jahr 1696 oder ein Buch über die Obstbaumzucht aus dem Jahr 1802. Wie man einen Garten gestaltet beschreibt das Buch "die bürgerliche Gartenkunst" aus dem Jahr 1863.

Das Kloster profitierte von Beginn an von einem alten Wasserrecht (Lahnbachwasser), welches schon die Vorbesitzer, die Familie Fieger, wahrscheinlich für eine Mühle, innehatte. Dieses Wasserrecht wurde unter der Regentschaft Maria Theresias urkundlich bestätigt. Das Lahnbachwasser wurde in Haus und Garten verwendet, wahrscheinlich betrieben die Brüder damit auch eine eigene kleine Mühle.

Im Jahre 1882 bekam das Kloster von Ludwig und Maria Knapp das Servitutsrecht (Nutzungsrecht) für ein großes Feld an der Ostseite des Gartens. Dieses wurde gleich ummauert und als "Parkanlage" umgestaltet. Dazu gehörten zahlreiche z.t. gestaltete Meditationswege, ein Springbrunnen und verschiedenste Bäume und Sträucher. Den alten westlichen Gartenteil dagegen nutze man weiterhin als reinen Nutzgarten. Das bezeugen uns zahlreiche alte Fotos (vor 1925). Im Jahre 1910 überließ die Erbin der Fam. Knapp, Theresia Wagner, Wirtin des Lendbräus, dieses Grundstück endgültig dem Kloster und ließ es ins Grundbuch eintragen. Die letzten Reste der alten Ostmauer, die ja nun mitten durch den Garten verlief, wurden 1961 abgetragen.

Da für das Kloster früher auch viel Brennholz benötigt wurde, konzentrierte man sich bald auf die Pflanzung von Tannen zur Nutzholzgewinnung auf dem neuen Ostteil des Gartens. (Ein Bruder war eigens für die Brennholzerzeugung und fürs Heizen der vielen Öfen im Kloster verantwortlich, zuletzt war das Br. Romedius). Ende der 30er Jahre wurde die Hälfte (Nordostteil) dieses inzwischen hochgewachsenen Baumbestandes auf Bitten der Anrainer gerodet und durch Obstbäume ersetzt. Der Nahrungsbedarf der Brüder war allerdings so groß, dass zwischen den neuen Obstbäumen Gemüsebeete angelegt wurden. Im Süd-Ost-Teil des Gartens blieben die Bäume stehen und dieser Baumbestand wird auch gepflegt.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Pflege der Parkanlage, z.t. wegen fehlender Arbeitskräfte, immer mehr vernachläßigt. Ihre Glanzzeit ist schon lange vorüber und von den vielen Wegen ist fast keiner mehr vorhanden.

Die neue Werkstatt

 

 

 

 

 

 

 

Als Werkstatt diente dem Gärtner früher ein "Stadl", der direkt am Kloster angebaut war (1925 beim Bau des Studienhauses abgerissen). Das Haus in der Mitte des Gartens beherbergte die Tischlerei und bis 1926 die klostereigene Weberei. Das Gebäude wurde 1931 durch einen Brand zerstört. Die heutige Werkstatt an dieser Stelle ist ein Neubau aus dem Jahr 1988. Es blieb nur das alte Kellergewölbe und wenige Grundmauern erhalten (darunter der Turbinenraum). Dieser Raum beherbergt eine heute noch laufende Turbine aus dem Jahr 1963, deren Vorgängerin versorgte früher die Tuchmacherei und später die Tischlerei mit Gleichstrom bzw. trieb die Geräte direkt an.

Im Jahr 1910 beschloss die Stadtgemeinde, die Egerdachgasse (heute Gilmstraße) zu verbreitern. Das Kloster verkaufte der Stadtgemeinde deswegen einen Grundstückstreifen im Südwestteil des Gartens.

Die Brüder besaßen auch ein Grundstück außerhalb des Gartens an der Nordseite der Kirche, auf dem das sogenannte Waschhaus stand. Man tauschte es im Jahr 1927 gegen einen Teil des Postgartens gegenüber dem Studienhaus ein. Aber bereits im August 1938 mussten die Brüder auch diesen Grund wieder verkaufen (an Primar Dr. Richard Schwammberger), nach dem das Kloster heimlich informiert worden war, dass die neuen NS-Behörden planten, diesen Grund durch Enteignung an sich zu reißen.

Während des 2. Weltkrieges wurden von den Behörden der Wehrmacht für die Insassen des Lazaretts im Studienhaus im Garten eine Kegelbahn gebaut, die nach 1945 natürlich von den Mitbrüder weiter genutzt wurde. Von einer Kegelbahn merkt man schon lange nichts mehr, die Hütte selbst steht aber noch.

 

Die Gärtner: Gentil, Oswald und Johann-Josef

In den späten 80er Jahren wurden noch die Glashäuser an der Südwestecke des Gartens errichtet, als Ersatz des abgebrochenen Gewächshauses an der Südfront des Klosters (der sogenannte "Holländer") aus den 1950er Jahren. Während der Garten früher ausschließlich der Selbstversorgung diente, so wird heute ein Großteil der Erträge verkauft. Eine Bildergeschichte zur heutigen Gartenarbeit gibt ein Zeugnis der vielfältigen Arbeit, die der Gärtner (Bruder Johann-Josef mit seinen Lehrlingen) zu leisten hat.

Historische Gartenfotos

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Die Bibliothek


Von Anfang an wurde im Kloster auch eine - für damalige Verhältnisse - große Bibliothek eingeplant. Auffallend ist vor allem der reiche Bestand an Inkunabeln (etwa 350 Titel). Da das Schwazer Kloster das Glück hatte, im Laufe seiner nun fast 500-jährigen Geschichte nie aufgehoben und beim Stadtbrand 1809 verschont geblieben zu sein, besitzt es einen umfassenden, durch alle Jahrhunderte reichenden Bestand an Theologischer Literatur. Zwei Gründe sind für diesen Umstand ausschlaggebend:
1. Das Kloster war seit 1580 immer als Standort für die ordensinterne Ausbildung der Kleriker vorgesehen, so dass alle Sparten der Theologie in der Ausstattung gleichmäßig berücksichtigt wurden. Das brachte es mit sich, dass man bemüht war, in der Bibliothek immer am theologisch „neuesten Stand“ zu sein, so dass auch zeitlich gesehen kaum größere Lücken vorhanden sind. Außerdem war im Kloster (vor allem im 17. und 18. Jh.) auch das Noviziat der Tiroler Franziskaner stationiert. Diesem Umstand verdankt die Bibliothek auch eine verhältnismäßig reiche Ausstattung an aszetischer (spiritueller) Literatur.
2. Einen bedeutenden Zuwachs (ca. 1/3 des Bestandes vor 1800) verdankt die Bibliothek der Tatsache, dass das Franziskanerkloster in Innsbruck durch Josef II. aufgehoben wurde. Ein Großteil der Bibliothek des Innsbrucker „Hofklosters“ wurde nach Schwaz gebracht.

Weitere Informationen gibt es auf der Bibliotheksseite!

 

 

 

Das Leben der Brüder


Wichtige Tätigkeiten der Patres (also der Priesterbrüder) in der Vergangenheit waren die vielen Aushilfen in zum Teil weit entfernten Pfarren (Messen, Einkehrtage, Beichtaushilfen, ....) und die Pfarrpredigten waren lange Jahre eine Aufgabe der Patres (in Schwaz hat von 1582 bis 1961 immer nur ein für dieses Amt erwählter Pater gepredigt). Besonders zur Zeit des Bergbaues, als viele protestantische Knappen aus Deutschland in Schwaz Arbeit fanden, war dies ein äußerst wichtiger Dienst. Natürlich daFrater Wolfgang aus Bozen - unterwegs im Vinschgaurf man die vielen Mitbrüder nicht vergessen, die im Laufe der Geschichte den Dienst eines Lektors bzw. Ausbilders für die jungen Franziskaner im Kloster versahen. Weitere Tätigkeiten waren damals (wie heute) u.a. die eines Katecheten, eines Bibliothekars und des Gästebetreuers.

Auch die Krankenseelsorge war ein wichtiges Arbeitsgebiet der Patres. 1921 kam der Krankenhausdienst dazu. Der bekannteste Krankenpater war der 1934 verstorbene Chrysolog Bartl. Schon im Jahr 1631 hatten die Franziskaner die Seelsorge im Bruderhaus (Knappenspital) von den Benediktinern übernommen.

Auch für die Franziskanerbrüder gab es viel zu tun. Zuerst waren es die vielen Dienste im Haus: Pförtner, Sakristan, Koch, Refektoriar, Kellermeister, Gärtner, Tischler, Schneider ...
Im Schwazer Kloster war z.B. in den ersten Jahren der 1540 verstorbene Bruder Alexius stationiert und dieser arbeitete als Drexler und Wagner.

Die Sammeltätigkeit der Brüder bedeuteten oft langer Wanderungen (v.a. Lebensmittel und Spenden wurden gesammelt) und sie stellten wichtige Kontakte zur Bevölkerung her. Die Wanderrouten waren genau festgelegt. Manche Gebiete/Gemeinden waren den Kapuzinern vorbehalten, andere den Franziskanern (Zillertal, Achental, Brixental bis Kirchberg und Aschau). Einige Gebiete überschnitten sich (wie z.b. das Wipptal). Dann wurden die Sammelzeiten (z.b. Frühjahr/Herbst) untereinander ausgemacht. Für viele Tiroler war der Besuch der Brüder auch eine gute Gelegenheit für geistliche Gespräche.

Weinsammlungen waren nicht nötig, denn durch ein altes Privileg wurde den Franziskanern der Wein aus dem Kelleramt Marling bei Meran zugestellt. Ein weiteres Privilegium war das jährliche Salzdeputat aus dem Sudhaus Hall.

Lodenfabrikation im Schwazer Kloster
  Ein ganz besonderer Aufgabenbereich für einige Brüder in Schwaz war aber lange Jahre die Tuchmacherei (Lodenfabrikation). Es gab im Laufe der Geschichte außerhalb des Klosters eigene Mühlen für eine Tuchwalke, eine in Vomperbach (ab 1786), nach 1843 dürfte eine eigene Tuchwalke im Klostergarten errichtet worden sein.


Die durchschnittliche Zahl der hier stationierten Brüder dürfte etwa 25 bis 30 betragen haben, dazu kamen die hier studierenden Kleriker. Im Jahre 1930 waren in Schwaz 17 Priesterbrüder, 15 Laienbrüder und 1 Tertiarbruder stationiert. Dazu kamen 13 Klerikerbrüder aus der eigenen Provinz und weitere aus anderen Provinzen. Natürlich machte die hohe Zahl der Studenten eine entsprechende Zahl an Lektoren (Professoren) und Laienbrüdern nötig. In Zeiten von wenigen Studenten war natürlich auch die Zahl der Patres geringer.

 

 

Das Kloster heute

Das Klosterebäude präsentiert sich heute in gutem Zustand. Kirche und Kloster wurden in den Jahren 1981 bis 1993 unter der Leitung von Baumeister Ernst Danzl und den Guardianen P. Josef Steindl, P. Wolfhard Würmer und Fr. Florenz Graf renoviert. Ca. 1/3 der hohen Kosten konnte damals durch die großzügigen Spenden der Bevölkerung abgedeckt werden. Eine weitere Renovierung, vor allem waren des Einbauten von Nasszellen, fand im Herbst 2010 statt.

Heute leben sechs Mitbrüder im Schwazer Kloster. Sie sind in der Seelsorge in Schwaz und Umgebung tätig. Außerdem befindet sich im hiesigen Kloster die Provinzschneiderei, in der die Habite für die Franziskaner in Österreich und Südtirol gefertig werden.

Unterstützt werden die Franziskaner durch viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die schon seit vielen Jahren treu im Kloster mitarbeiten.

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Literaturquellen:

Weingartner, Josef. Schwaz als Kunststätte, in: Der Kunstfreund, 24.-25. Jg, 1908/09
Gritsch, Balthasar, Leiden und Freuden eines kirchlichen Bauherrn vor 200 Jahren, in: Tiroler Heimatblätter 1936, S. 387-393
Leitner, Pax. Die Anfänge des Franziskanerklosters zu Schwaz, in: Schwazer Buch, Schlern-Schriften 85, Innsbruck 1951, S. 104-112
Egg, Erich. Kunst in Schwaz, Schwaz 2001
Tschiderer, Christian, (div. Aufsätze) in: Franziskanerkloster Schwaz, Renovierung 1980-1993, Schwaz 1993; und in: Franziskanerkloster Schwaz (Kleiner Kunstführer), Schwaz 1990
Nothegger, Florentin. Aus der Geschichte unseres philosophisch-theologischen Hausstudiums, in: Provinzmitteilungen der Tiroler Franziskanerprovinz, Nr. 130/1971, S. 112-115
Naupp, Thomas. Geistlicher Beistand im Schwazer Knappenspital; in: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 49, Dezember 2002, S. 30-41.
Ruggenthaler, Oliver. Die Lindenbäume vor der Schwazer Klosterkirche. Die franziskanische Hochschule in Schwaz; beide in: Heimatblätter – Schwazer Kulturzeitschrift, Nr. 52, Dezember 2003, S. 8-11.
Ruggenthaler, Oliver. Notizen zur Geschichte der Kirchenmusik in Schwaz. in: Tiroler Heimatblätter, 3/2005, S. 72-78.
Ruggenthaler, Oliver. Von franziskanischen Quacksalbern und Apothekern, in Tiroler Heimatblätter, 1/2006, S. 2-7.
Czerwenka, Simon. Geschichte der Bibliothek der Schwazer Franziskaner, in: Tiroler Heimatblätter 2/2005, S. 34-41.
Czerwenka, Simon. Geschichte des Schwazer Franziskanerkloster, Schwaz 2007.